Demenz

Verteilung der Erkrankung in der Bevölkerung (Epidemiologie)

Den Krankenbestand zu einem bestimmten Zeitpunkt (Prävalenz) nimmt man für westliche Industrieländer für die Bevölkerung über 65 Jahren bei 5 – 8 % an. Die Zahl der Kranken nimmt mit zunehmendem Alter weiterhin zu. In der Altersgruppe der 65 – 69-jährigen leiden etwa 1 % der Bevölkerung unter Demenz, bei den 70 – 74-jährigen etwa 3 %, bei den 75 – 79-jährigen etwa 5 – 6 %, bei den 80 – 84-jährigen 12 %, bei den 85 – 89-jährigen 20 %, bei den 90 – 94-jährigen 35 %, bei den 95-jährigen und älter bis 40 %. Bei den über 100-jährigen findet sich eine Prävalenz zwischen 55 – 100 % je nach Studie.

Insgesamt wird man es in Deutschland zwischen 900.000 und 1,2 Mio. Erkrankten zu tun haben. Etwa 20.000 Erkrankte liegen in der Altersgruppe der unter 65jährigen. Die so genannten präsenilen Demenzen machen also weniger als 3 % der gesamten Krankenzahl aus. Frauen machen auf Grund ihrer im Vergleich zu den Männern höheren Lebenserwartung mehr als 70 % der Patienten aus.

Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer Demenz mit etwa zwei Dritteln der Fälle.

Durch die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung bei rückläufigen Geburtenraten und steigender Lebenserwartung wird die Anzahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 weiterhin steigen.

Verschiedene Krankheitsbilder der Demenz bzw. von neurodegenerativen Erkrankungen:

  • Alzheimer Demenz
  • Demenz mit Lewy-Körpern
  • Fronto-temporale Demenzen
  • Vaskuläre Demenzen
  • Parkinson-Demenz.

Differentialdiagnostik

Neuere wissenschaftliche Meinungen gehen davon aus, dass es eher wahrscheinlich ist, dass die verschiedenen Demenz-Syndrome durch so genannte pathogenetische Kaskaden verursacht werden, diese pathogenetischen Kaskaden sich aber gegenseitig beeinflussen und unterschiedlich überlagern. Insgesamt ist es so, dass auch nach klinischen Kriterien eine Demenzerkrankung nicht immer klar abgrenzbar gegen eine andere Demenzerkrankung ist. Andererseits können die klassischen Demenzerkrankungen in ihrem klinischen Verlauf und in ihren Ausfallerscheinungen und auch im Verteilungsmuster ihrer neuropathologischen Auffälligkeiten häufig gut voneinander getrennt werden. Aus pragmatischen Gründen werden deshalb die neurodegenerativen Erkrankungen getrennt. Die Diagnosestellung in neurologischen und nervenärztlichen Praxen versucht nach diesen Unterteilungen vorzugehen.

Diagnose des Demenz-Syndroms

Es werden die Beschwerden vom Patienten und insbesondere von Angehörigen geschildert (Fremdanamnese) und es werden orientierende neuropsychologische Tests durchgeführt, die insbesondere die geistige Leistungsfähigkeit des Betroffenen einschätzen lassen und dem Arzt die Sicherheit geben, dass überhaupt verminderte geistige Leistungen vorliegen.

Der Abbau von Hirngewebe bei den Demenzen lässt sich durch computertomographische oder kernspintomographische Untersuchungen dokumentieren und es lassen sich auch auf Grund dieser Bilder diagnostische Einschätzungen ableiten. Beispielsweise treten bei Demenzen vaskulärer Genese andere Auffälligkeiten in den so genannten bildgebenden Methoden auf als bei den primären degenerativen Formen. Auch die Verteilung der Hirnatrophie auf bestimmte Hirnregionen lässt diagnostische Schlüsse zu. Zudem können mit der bildgebenden Diagnostik auch andere Erkrankungen, die so genannte sekundäre Demenzformen verursachen, erkannt werden. Ein Normaldruck-Hydrocephalus kann ausgeschlossen werden, ein Subduralhaematom sowie auch seltene entzündliche Erkrankungen des Gehirns oder auch Hirntumore, die zu geistigem Abbau hätten führen können.

Der Hirnabbau bestimmter Hirnstrukuren führt auch zu einer Veränderung der Hirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG). Die Oszillationen im EEG bzw. der Rhythmus der Potentialschwankungen der Hirnströme verlangsamt sich häufig. Es finden sich auch bei aktivierenden Aufgaben für die Hirnfunktionen nicht die typischen Veränderungen im EEG, wie man es bei Gesunden erwarten würde.

Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor) können ebenfalls wichtig sein, um seltene entzündliche Erkrankungen als Ursache der Demenz auszuschließen.

Nuklearmedizinische Bilder des Gehirns

Nuklearmedizinische Bilder des Gehirns, die anzeigen, wie der Stoffwechsel der Hirnzellen in den jeweiligen Hirnarealen funktioniert, geben ebenfalls Hinweise auf Demenzerkrankungen. Hier wird die Methode der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die Methode der Single-Photon-Emissions-Tomographie (SPECT) angewendet.

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Die Aufgabe des Neurologen, Nervenarztes oder Psychiaters ist es also, zunächst eine Demenz überhaupt zu erkennen und zu beweisen und zum anderen andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen könnten, auszuschließen bzw. ebenfalls zu erkennen.

Das cholinerge System und EEG-Veränderungen bei Demenz

Veränderungen der EEG-Aktivität unterliegen verschiedenen Transmitter-Systemen. Deutlich wirkt das cholinerge System auf die EEG-Modulation. Eine fronto-basale Kerngruppe von Neuronen im Gehirn (Nucleus Basalis Meynert) schickt überwiegend Nervenfasern zu anderen Nervenzellen, die zu diesen Nerven mit Hilfe des Überträgerstoffs Acethylcholin funktionieren. Diese so genannten cholinergen Neuronen degenerieren insbesondere bei der Alzheimer-Erkrankung. Dies führt zur Verlangsamung des EEG und auch zur verminderten Ansprechbarkeit des EEG-Rhythmus auf Sinnesreize oder andere Reize und Anforderungen im Gehirn.

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Beispiele

Beispielsweise führt eine Handbewegung zu einer Blockade einer Alphaaktivität. Gibt man bei gesunden Personen unter wissenschaftlichen Fragestellungen ein Medikament, das anticholinerg wirkt, also die Übertragungen der cholinergen Nervenzellen behindert, so vermindert sich die Aktivierungsfähigkeit des EEG bzw. die Blockademechanismen werden verringert. Dies ist im Anhang in Abbildungen ausgedrückt.

Auch bei der Alzheimer Demenz liegen ähnliche Effekte vor, wie man sie bei Gesunden unter Anticholinergikagabe erreicht wie in dem Beispiel (Bild) dargestellt. Es kommt bei Alzheimer-Patienten nicht zur Unterdrückung der Alphaaktivität bei Augenöffnen während einer EEG-Ableitung, sondern die Alphaaktivität bleibt unbeeinflusst. Dies kann gemessen und auch bildlich dargestellt werden. Alzheimer-Patienten zeigen in einer topographischen farbigen Darstellung (Mapping) verlangsamte Alpha- bzw. Grundaktivität und verminderte Amplitudenreduktion, wenn sie die Augen öffnen. Dies kann auch zusätzlich in der klinischen Diagnose verwendet werden.

Therapie der Alzheimer-Erkrankung

Den Defekt in der cholinergen Übertragung der Nervenzellen kann dadurch beeinflusst werden, dass das Enzym, welches das Acethylcholin abbaut, behindert wird. Diese Substanzen werden Cholinesterasehemmer genannt. Dazu zählen

  • Donepezil
  • Rivastigmin
  • Galantamin.

Auch wirkt bei Alzheimer-Erkrankung Memantine, das das glutamaterge System verbessert.

Sämtliche Medikamente dürfen nur vom Arzt verordnet werden und unterliegen ständigen Kontrollkriterien. Sie sind rezept- und apothekenpflichtig. Diese Substanzen dürfen auf der Grundlage der hier gegebenen Informationen nicht vom Leser oder durch weitergegebene Informationen gekauft oder eingenommen werden. Der Autor übernimmt keinerlei Verantwortung für die Nennung der therapeutisch wirksamen Medikamente in der Homepage.

In der Forschung finden sich weitere Studien zur Überprüfung von Impfstrategien gegen Alzheimer (amyloidreduzierende Methoden) . Auch wirken nicht-steroidale Antiphlogistika gegen die Alzheimer-Erkrankung. Antioxydative, hormonelle und lipidsenkende Ansätze werden seit langem verfolgt. Ähnlich wie bei der Parkinson-Erkrankung gibt es Versuche mit Stammzellen zur Regeneration untergegangener Neurone bzw. ihrer Transmissionen.

Pathologie der Alzheimer Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Die Abbildungen zeigen, ähnlich wie auch die dargestellten computertomographischen und kernpsintomographischen Bilder „Querschnitte durch das Gehirn“ Verschmächtigung des Gehirns in allen Anteilen. Mikroskopisch lassen sich entsprechend typische Veränderungen finden, wie sie auch auf den Bildern beschrieben sind, mit Fibrillen, Plaques und Lewy-Körperchen (Darstellung mehrerer Bilder).

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Pathologie der Demenz

Methoden der Demenz-Diagnostik

Bei Gedächtnisstörungen werden Tests zur Früherkennung von Demenz durchgeführt, u. a. DemTec. Untersucht wird das EEG mit Mapping Methoden, CCT (Computertomographie des Kopfes), Kontrolle der Hirndurchblutung (Duplex - Sonographie der Gefäße). Alle Methoden dienen der Diagnostik von Gedächtnisstörungen und Demenz. Der Schweregrad von Demenz lässt sich bestimmen, auch der Grad von Arterioskelerose. Wichtige andere Erkrankungen des Gehirns, die auch Gedächtnisstörungen hervorrufen, können erkannt werden.

Frau Prof. Dr. Dr. Angelika Scheuerle (Abt. Neuropathologie der Prosektur am Bezirkskrankenhaus Günzburg) danke ich für die Überlassung Ihrer anatomischen und pathologischen Beispiele.
angelika.scheuerle@bkh-guenzburg.de

Hr. Dr. med. Markus Palmbach (Radiologie/Neuroradiologie) und Hr. Dr. med. Dieter Wanjura (Nuklearmedizin) danke ich für die Überlassung der Kernspinbilder und der SPECT-Bilder.
www.radiologiezentrum-ulm.de

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Autor: Prof. Dr. med. K. P. Westphal (Copyrighthinweis)